Häufig arbeiten professionelle Grafiker mit verschiedensten 3D-Applikationen. Im ersten Programm ist beispielsweise das Modellieren einfacher, in einem anderen kann effektiver animiert werden, um abschließend die Szene an einen externen Renderer zu übergeben. Somit muss ständig zwischen den unterschiedlichsten 3D-Formaten konvertiert werden. Im Gegensatz zu den meisten 2D-Bildformaten sind diese jedoch deutlich komplexer und die mitgelieferten Import/Export-Funktionen der Software decken nur die nötigste Funktionalität ab. Für die Lösung dieser Probleme bieten sich daher spezielle 3D-Konverter, wie PolyTrans von Okino Computer Graphics Inc. www.okino.com an.
PolyTrans ist eine hochspezialisierte Lösung, die schon seit 1988 ständig weiterentwickelt wird. Dadurch ist das Programm relativ ausgereift und wird auch von großen Firmen zur Konvertierung von 3D-Datenbanken eingesetzt. In jeden Filter wurde von den insgesamt 8 Programmieren sehr viel Zeit investiert. Ich habe mich mit dem Chefentwickler unterhalten und er meinte, dass ständig Verbesserungsvorschläge von Nutzern und den Herstellern der 3D-Applikationen einfließen und sich damit PolyTrans kontinuierlich weiterentwickelt. Ziel ist es, das komplette Format auszuwerten und möglichst ohne Nachbearbeitung in der anderen Software zugänglich zu machen.
Aus diesem Grund werden vielfältige Geometrien wie zusammenhängende Polygone, Polygone mit rekursiven Löchern, bi-kubische Patches, Quadrics und getrimmte NURBS unterstützt. Deren Normalen, Glättungsgruppen, UV-Texturkoordinaten, UV-Tangenten (Bump-Mapping), Scheitelpunktfarben und -transparenz (Vertex Colors/Opacity) werden importiert und wenn möglich auch in die Exportformate konvertiert. Um große Objektmengen effektiver zu handhaben optimiert PolyTrans diese, erlaubt Batch-Konvertierung und arbeitet dabei erstaunlich schnell und speichereffizient. Beispielsweise habe ich bisher keinen so schnellen und sauberen DXF-Import gesehen. Zusätzlich werden Texturen und Schattierungsparameter teilweise erkannt, die Texturen können bei Bedarf auch in verschiedene andere Bildformate umgewandelt werden. Neben Kameras, Lichtern und geometrischen Hierarchien unterstützt die neue Version auch den Import/Export von Keyframe-Animationen für 3DS-, DirectX- und Lightwave-Dateien. Dies ist eine sehr schwierige Aufgabe, da die Programme unterschiedliche Algorithmen verwenden, die PolyTrans intern in die passende Darstellungsform umrechnen muss. Dabei entstehen für jedes Frame neue Keyframes, die aber reduziert werden können. So ist es erstmalig überhaupt möglich Animationen auszutauschen, wenn auch Bones, Modifikatoren und andere wesentlich komplexere Funktionen nicht unterstützt werden.
Neben der Standalone-Version und zusätzlich erhältlichen Spezialfiltern (IGES, ACIS SAT, Softimage und OpenFlight) bietet Okino in MAX (wird mitgeliefert) und MAYA (durch Kauf von PolyTrans MAYA) integrierte Plug-ins an. Durch die Integration erfolgt die Konvertierung genauer und der Austausch zwischen MAX und MAYA verläuft deutlich entspannter. Beim Arbeiten mit getrimmten NURBS in Verbindung mit MAX treten Probleme durch die fehlerhafte MAX-NURBS-API auf, weshalb eine Umwandlung in Polygone erfolgt. Neben den Entwicklern von PolyTrans haben auch die Rhino3D-Programmierer (siehe diese Ausgabe) hunderte von Stunden in das Umschiffen dieser Klippen investiert - leider ohne Erfolg.
Neben all den Funktionen zur Konvertierung befindet sich unter der übersichtlichen Oberfläche auch ein sehr einfacher Modeller. Sollten Sie etwas mehr Geld investieren, erhalten Sie sogar den großen Bruder von PolyTrans - NuGraf, der zusätzlich einen hochwertigen klassischen Raytracer und einen Materialeditor bietet.
Um PolyTrans genauer zu testen habe ich verschiedene Konvertierungen durchgeführt, die Sie auf den Bildern begutachten können. Die Ergebnisse sind deutlich besser als mit allen Standard-Importfiltern und helfen die Zeit zum Nachbessern stark zu reduzieren. Bei dem Lightwave-Bild möchte ich anmerken, das die 5.x Versionen kein UV-Mapping unterstützen. Den Besitzern dieser Version sei daher das Plug-in U-View von Cinegraphics www.chinegraphics.net empfohlen, das diesen Mangel behebt und explizit von PolyTrans unterstützt wird. Zusätzlich habe ich aus dem Quellprogramm 3D Studio MAX R3.1 sowohl PolyTrans-3DS als auch MAX-3DS exportiert und wieder eingeladen. Dabei ist das Ergebnis des Fremdkonverters besser, da sowohl der Texturkanal als auch die UV-Orientierung des Stachel-Maps stimmen.
Sollten Sie häufig mit anderen 3D-Programmen zusammenarbeiten oder auf verschiedenste Objektsammlungen zurückgreifen, wird Ihnen PolyTrans sehr viel Zeit und Nerven sparen. Allerdings erhält man nur in wenigen Bereichen wirklich „perfekte“ Konvertierungen, da zum einen die Applikationen und als auch deren Algorithmen immer komplexer werden. Zum anderen fehlen in den Programmen Funktionen oder Bugs verhindern die korrekte Übersetzung. Abgesehen von diesen Grundproblemen arbeitet PolyTrans schnell, zuverlässig und wird auf Nutzervorschläge hin erweitert. Auf der Webseite von Okino finden Sie Updates, weiterführende Informationen und ein Demo der Grundversion.